Archos 70b eReader – billiges 7″ Tablet zum eBook lesen und mehr

Update: Da die Kommentare langsam etwas unübersichtlich werden, könnt ihr auch das kleine Forum unter http://blog.d-maass.de/forum nutzen. Das sollte etwas übersichtlicher sein 😉 Viel Spaß

Ich liebäugelte schon lange mit der Anschaffung eines digitalen eBook-Readers, allerdings waren meine Anforderungen etwas speziell. Es sollte auf jeden Fall das ePub-Format mit DRM unterstützt werden, um die Onleihe der Bibliotheken nutzen zu können. Des weiteren wäre eine halbwegs funktionierende PDF-Darstellung und die generelle Möglichkeit des Surfens schön. Als nächstes kam das Kostenargument: All zu viel Geld wollte ich für die Spielerei nicht ausgeben. Vor ein paar Wochen bin ich zufällig über den Archos 70b für knapp 100€ gestolpert, der diese Auflagen eigentlich alle ungefähr erfüllte. Da die Investition zu verkraften war, hab ich ihn mir einfach mal zugelegt – und habe es bis jetzt nicht bereut.

Mit diesem Post möchte ich das Gerät kurz (ok.. vielleicht doch etwas länger) vorstellen und ein paar gute und weniger gute Seiten ansprechen, da man im Netz über den Archos 70b nicht so wirklich viel interessantes findet. Falls noch Fragen offen bleiben sollten: Einfach in den Kommentaren stellen.

Archos 70b Hardware

Hier einmal kurz die technischen Daten der Archos-Homepage:

  • 7″ touch TFT-Screen (resistiv, Auflösung 800×480)
  • 4 GB interner Speicher, über SD-Karten Karten mit bis 32 zu GB erweiterbar
  • Android 2.1 (mit Archos-Firmware aber KEIN Zugang zum Google Marketplace, nur der kastrierte Archos AppsLib-Store ist verfügbar)
  • WLAN Modul
  • EBook-Unterstützung für EPub (PDF, EPUB, FB2 (Adobe DRM PDF und EPUB-kompatibel))
  • Videowiedergabe (MPEG-4 AVI, FLV, MPG, RM, RMVB, FLV, MP4, DAT, VOB, MKV, MOV (bis zu HD 720p))
  • Audiowiedergabe (MP3, FLAC, OGG, WAV)
  • Fotowiedergabe (JPEG, BMP)
  • Mini-USB Anschluß zum Befüllen über PC
  • Klinken-Ausgang für Kopfhörer
  • Akkulaufzeit bis zu 8h mit WLAN aktiviert

Eine Aufnahmefunktion via Mikrofon, wie auf den meisten Seiten (z.B. Amazon) beschrieben, gibt es allerdings nicht – Sprachaufzeichnungen fallen also flach.

Das Gewicht des Tabletts liegt bei ca. 370g, was zwar spürbar schwerer als ein Kindle, aber immer noch angenehm zu halten ist.

Software

Da der Archos 70b als eBookreader mit Multimedia- und Internetfunktionen beworben wird, ist die Standardausstattung an Software relativ klar: eBookreader, Musikplayer, Videoplayer und Browser.

Das Pad liefert sogar zwei Anwendungen zum Lesen von eBooks mit: eine fest im System verdrahtete und Aldiko. Die fest verdrahtete App ist mit den zwei Widgets auf der Startseite (Historie und Meine Bibliothek) verbunden und unterstützt als einzige die Hardwaretasten zum Blättern, welche in das Gehäuse des Archos eingelassen sind. Die Grundfunktionen des eBook Lesens sind von der Anwendung abgedeckt: man kann Blättern, Bookmarks anlegen und das Inhaltsverzeichnis verwenden. Das war es dann aber auch. Erweiterte Features wie Notizen, Nachtmodus oder Online-Anbindung sucht man vergebens.

Etwas mehr Features hat hier Aldiko – dort werden allerdings die Hardwaretasten zum Blättern nicht unterstützt. Updated man Aldiko über den AppsLib-Store auf Version 2.0 tritt ein anderes störendes Problem auf: die obere Statusleiste (mit Homebutton, Akkuanzeigung etc) ist immer eingeblendet und verdeckt so in der Aldiko Anwendung die oberste Buchzeile. Das Problem kann man zwar mit der Seitenrandeinstellung umgehen, allerdings werden immer alle vier Ränder modifiziert, so dass man von den eh nicht gerade fürstlichen 7″ noch etwas verliert.
Da ich auch den Nachtmodus (also weiße Schrift auf schwarzem Grund) nicht so wirklich angenehm fand, nutze ich momentan nur den eingebauten Reader.

Die mitgelieferten Player-Anwendungen für Bilder, Musik und Film sind zweckdienlich – abgespielt wird ohne Probleme, mehr benötigt man eigentlich nicht.

Den mitgelieferten Browser habe ich allerdings durch Dolphin Mini ersetzt. Das Ding kann Tabs und läuft auch sonst ziemlich flott und stabil. Opera Mini habe ich auch ausprobiert, da konnte mich aber sowohl Bedienung als auch Geschwindigkeit nicht so recht überzeugen.

Über den AppsLib-Store (Archos kastrierte Variante des Google Marketplace) lässt sich noch das ein oder andere Programm oder Spiel installieren. Sonderlich gut ist die Kompatibilität des Archos 70b allerdings nicht, bei vielen interessant klingenden Programmen kommt nur die „Programm konnte nicht installiert werden“ Fehlermeldung. Auch ist die Bedienung des Stores ziemlich fummelig, da ein Split-Screen-Layout (geteilt in kostenpflichtige und kostenlose Apps) gewählt wurde. Man muss sich also immer mit dem halben Screen zufrieden geben und scrollt sich einen Wolf (die nicht gerade optimale Bedienung des Touch-Screens führt auch oft dazu, dass man statt zu scrollen eine Anwendung öffnet, die man eigentlich gar nicht möchte).

Lob und Tadel

Bei der Benutzung des Gerätes sollte man den Preis des Archos 70b nicht aus den Augen verlieren: nur knapp 100€. Das ist weitaus weniger als man für die meisten reinen eBookreader oder Tables bezahlt – und für dieses Geld bekommt man wirklich viel.

Den Luxus des Farbdisplays gegenüber reinen eBookreadern erkauft man sich mit dem Nachteil, dass man nur ein TFT und kein eInk-Display hat. Von ewigen Akkulaufzeiten kann man also nur träumen, und auch das Lesen in der prallen Sonne könnte etwas problematisch werden. Allerdings spart man sich die Lampe zum Lesen in der Dämmerung und auch vom Lesekomfort war ich angenehm überrascht. Ich dachte eigentlich, dass Lesen auf dem TFT wäre etwas unangenehm – das ist allerdings nicht der Fall. Auch draußen auf dem Balkon hatte ich keine Probleme ein Buch zu lesen – wirklich in der prallen Sonne will man wohl eh eher selten lesen.

Was wirklich sehr angenehm ist, ist die Möglichkeit via WiFi im Netz zu surfen. Eine EMail-Adresse ist leicht eingerichtet und auch Nachrichtenseiten etc  lassen sich im Web gut lesen (hier nochmal der Hinweis auf den Dolphin Browser Mini). Aufwendigere Seiten sind keine wirkliche Freude – auch YouTube etc. bleiben mangels Flash-Unterstützung außen vor.
Was beim Surfen definitiv negativ auffällt ist der Touchscreen. Da es sich hier um einen resistiven Screen handelt, ist eine „fluffige“ Bedienung mittels mehrerer Finger und leichtem Wischen (wie man es von iPhone oder ähnlichen aktuellen Smartphones/Tablets kennt) nicht möglich. Hier muss wirklich auf den Screen ge“toucht“ werden. Und das Pad interpretiert Scrollversuche doch allzu oft als einzelne Klicks, und macht dann irgendeinen Link auf, obwohl man eigentlich auf der Seite nach unten Scrollen wollte. Ich habe mir jetzt mal einen Stylus bestellt, vielleicht ist die Bedienung des zickigen Screens mit einem Stift statt dem Finger einfacher und weniger Fehleranfällig…

Auch die eBookunterstützung hat zwei etwas nervige Probleme, die man allerdings umschiffen kann:

  • die Standardanwendung ist wählerisch was die Cover-Anzeige auf dem Homescreen angeht
    Bei vielen eBooks wird von Haus aus einfach nur ein Standardcover auf der Startseite des Readers angezeigt. Zusammen mit dem frühen Abschneidens der Titel wird es so etwas schwierig, auf Anhieb das gesuchte Buch zu finden.
    Nach etwas Ausprobieren habe ich allerdings herausgefunden, wie man den Archos zur Anzeige der Cover überreden kann. Ich werde die Tage dazu eine kleine Anleitung verfassen.
  • keine Unterstützung des Kindle-Buchformats
    Amazon, als der wohl beliebteste Online-Buchladen, fährt mit seinem Kindle-Format ja eine kleine Extratour. Leider unterstützt der Archos dieses Format von Haus aus nicht. Auch ist es, mangels direkten Zugriff auf den Google Marketplace, nicht möglich, die Kindle-App zu installieren, da sie in AppsLib nicht aufgeführt ist. Selbst wenn eine manuelle Installation der App gelingen würde, befürchte ich, dass die Statusbar des Archos (wie bei Aldiko) wieder zu einem verdeckenden Problem wird.
    Allerdings gibt es hier Konvertierungsmöglichkeiten, mit kostenlosen Kindle-Büchern hat dies auch problemlos funktioniert. Auch hierzu werde ich wohl demnächst noch eine kleine Anleitung schreiben.

Auch die Musik- und Videounterstützung ist nicht zu unterschätzen – so mutiert das kleine Tablett eigentlich zum Unterwegs-Alleinunterhalter.

Fazit

Auch wenn der eher schlechte Touchscreen mich ab und an zur Weißglut bringt: Insgesamt bin ich mit dem Kauf echt zufrieden. Für wenig Geld, habe ich etwas, mit dem ich sowohl eBooks lesen, im Netz surfen, Musik hören und Filme gucken kann. Wie man sich bei dem Preis denken kann, gewinnt er in keiner der Disziplinen einen Preis für hervorragende Leistungen – leistet sich aber auch nirgends einen Totalausfall.

Momentan denke ich trotzdem (aus Spieltrieb) über einen Firmwarewechsel nach. Dies würde den Archos 70b von den „Archos Fesseln“ und dem AppsLib-Store befreien, und ein normales Android-Tablett aus ihm machen…. Mal sehen – falls ja, werde ich über den Wechsel berichten (entweder über den Erfolg oder den Mißerfolg) 😉

Bei „Natiras Zeit“ könnt ihr auch noch eine kurze Vorstellung lesen. Falls ihr noch Fragen zum Archos 70b habt: Einfach in den Kommentaren melden – ich werde mich bemühen zu Helfen 🙂

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